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Ehrfurcht und Ehrwürdigkeit im Alltag


Die Ehrfurcht beginnt beim eigenen Leben, indem man erkennt, dass man ein Teil der Schöpfung und dadurch mit allem verbunden ist, was existiert.
Durch das Erkennen der Schöpfungs- und Naturgesetze wird klar, dass nichts aus Zufall heraus entstanden ist oder entsteht. Hinter allem verbirgt sich eine Kraft, die der Ursprung allen Lebens ist; die Kraft aller geistigen und materiellen Welten. Indem diese Tatsache durch ein bewusstes Denken erkannt und das Wunder dieser Schöpfungskraft anerkannt wird, bereitet sich ein Gefühl der Dankbarkeit, der bewundernden Anerkennung und der Hochachtung vor einer Leistung aus, die mit einem noch sehr beschränkten Verstand nur in Ansätzen nachvollzogen werden kann. Diese durch das Denken und Fühlen bewusst hervorgerufene Empfindung des Gemüts bezeichnet die Geisteslehre als «Ehrfurcht vor der Schöpfung».
Darin enthalten ist das Erkennen, dass das Leben der unmessbaren Kraft des schöpferischen Geistes zu verdanken ist und dass dieses wie alle anderen Erscheinungsformen nur ein winziger Teil eines grossen Ganzen ist, in dem jeder Teil seine Bestimmung, seine Aufgabe und seinen ihm zugewiesenen Platz hat. Das macht es nicht nur leichter, die Natur (z.B. den wundervollen Vorgang eines farbenfrohen Sonnenunterganges) mit Ehrfurcht zu betrachten, sondern auch die Mitmenschen als gleichwertige Geschöpfe anzuerkennen und sie dementsprechend zu behandeln.


Zitat: Talmud Jmmanuel, Kapitel 32, Vers 9:
«Betrachtet das Universum als den Ort, da die Schöpfung wohnet im Unendlichen.»
Das jedoch bedeutet nicht, dass man alle Handlungen, Reden und Verhaltensweisen der Mitmenschen demütig und unterschiedslos hinnehmen und akzeptieren müsste. Zwar verdient jeder Mensch als Teilstück der Schöpfung Anerkennung, jedoch nicht automatisch alles das, was er denkt, was er tut und wie er handelt. Nur was nach gerechter Prüfung als ehrwürdig anerkannt werden kann, verdient Achtung. Was jedoch z.B. die Ehre, das natürliche Recht der freien Selbstbestimmung und die Würde eines Menschen verletzt oder sich zerstörerisch und vernichtend auswirkt, verlangt sogar nach Verachtung und Gegenwehr, weil es eben dem Gesetz von Ehrfurcht und Ehrwürdigkeit zuwiderhandelt.


Zitat: Talmud Jmmanuel, Kapitel 32, Verse 16 bis 18:
«Der Sieg eines Menschen besteht in seiner Grösse darin, jede Macht, die entgegentritt dem Schöpferischen, auszureissen und zu vernichten, so das Schöpferische siege. In sich entwickle der Mensch die Urteilskraft über das Gute und das Böse und die richtige Schau aller Dinge, so er weise sei und gerecht und die Gesetze befolge. Erkennung ist von Not; was wirklich ist und was unwirklich ist, und was wertvoll ist, und was von der Schöpfung ist und was nicht von der Schöpfung ist.»


Im Gegensatz zur Tier- und Pflanzenwelt hat der Mensch die Macht, sich durch seine Gedanken bewusst einen Willen zu schaffen. Auch ist der Mensch dazu bestimmt, sich durch das Begehen von Fehlern zu evolutionieren, indem er diese erkennt und behebt, daraus lernt und das Denken bzw. Verhalten und Handeln ändert. Dadurch gewinnt er an Einsicht, Wissen und Weisheit und arbeitet sich näher an das Ziel der Einswerdung mit der schöpferischen Kraft heran. Demzufolge steht es ihm also frei, sich nach den schöpferischen Geboten und Gesetzen auszurichten oder aber sich bewusst dagegen zu stellen und sich z.B. egoistisch und rücksichtslos gegenüber seiner Umwelt zu verhalten. Es ist also nicht so, wie die irren Religionen und esoterischen Irrlehren fordern, dass der Mensch alles, was ihm zustösst, mit Demut und Unterwürfigkeit als ‹göttliche Strafe› oder ‹Karma› hinnehmen müsste. Das nämlich bedeutete, dass er sich zum Gespött seiner selbst machen würde, wie dies die Gottgläubigen tun, indem sie ihren naturgemäss gegebenen Verstand verleugnen, ihre Selbstbestimmung aufgeben und sich damit der Ehrwürdigkeit ihres Denkens und Handelns berauben.
Der Mensch ist nicht die willenlose Marionette eines imaginären Gottes, sondern er handelt aus eigenem, selbst erschaffenem Willen und er ist dazu bestimmt, seinen Verstand in Logik zu gebrauchen und sich im Verlaufe seines Lebens zu evolutionieren.


Zitat: Talmud Jmmanuel, Kapitel 5, Verse 44 bis 47:
«Ich aber sage euch: Übet Liebe und Verständnis nach dem Naturgesetz der Schöpfung, so ihr das richtige Handeln und Empfinden in der Logik findet. Entbiete deine Liebe rundum da, da sie gerechtfertigt ist, und verachte allda, da das Naturgesetz es erfordert. Ihr sollt weise sein und das Wissen lernen, denn ihr sollt vollkommen werden im Geiste wie die Schöpfung, die euch erschuf. Ihr sollt im Laufe der Wiederleben euren Geist und euer Bewusstsein schulen und vollkommen werden lassen, also ihr eins werdet mit der Schöpfung.»


Ehrfurcht und Ehrwürdigkeit bedeuten, den Mitmenschen als gleichwertig anzuerkennen, als Menschen mit der selben Daseinsberechtigung, wie man sie für sich selbst beansprucht. Er muss als eigenständiges Individuum mit gleichen Rechten gesehen werden. Das bedeutet, im besten Sinne tolerant zu sein und sich nicht in die persönlichen Belange des anderen einzumischen, wenn er selbst dies nicht ausdrücklich wünscht. Gleichzeitig bedeutet es aber, die eigene Verantwortung gegenüber dem Leben wahrzunehmen und allen Missständen und Fehlhandlungen, die der eigenen Person, einem Mitmenschen oder der Natur zugefügt werden, entgegenzutreten. Was sich an der Schöpfung vergeht, ist nämlich nicht ehrwürdig und nicht ehrfurchtsvoll und sollte nach Möglichkeit ausgetilgt werden, damit es durch ein verantwortungsvolles Handeln ersetzt werden kann.


Zitat: Talmud Jmmanuel, Kapitel 26, Vers 18:
«Wer Weisheit reichlich erlanget hat und nach den Gesetzen lebt, der duldet es nicht, dass den Geschöpfen ein noch so geringes Leid angetan wird, wenn ohne Fehl sie sind.»


Wenn man jeden Tag nur kurze Zeit über die Begriffe ‹Ehrfurcht› und ‹Ehrwürdigkeit› nachdenkt und sich deren Bedeutung bewusst macht, sie in der Familie, im Berufsalltag und in allen Verrichtungen ins Bewusstsein ruft, kann der Alltag durch das Denken, Fühlen und Handeln und durch die Empfindung des Gemüts schöpferischer gestaltet werden.


Die Geisteslehre sagt: «Ehrfurcht und Ehrwürdigkeit sind die Urkräfte aller Erkenntnis.» Zum Schluss soll dies verbunden sein mit einem weiteren Zitat aus «Talmud Jmmanuel», Kapitel 26, Vers 26: «Jegliches Gesetz der Schöpfung erkenne man, und hat man es erkannt, so erfasse man es und lebe danach, denn die Gesetze sind die grösste Weisheit.»


(Veröffentlicht in "Stimme der Wassermannzeit" Nr. 119 vom Juni 2001)